Pressemitteilung vom 02.12.2021: Normalisierung von NS-Verharmlosung muss widersprochen werden!:

  • Dokumentations- und Informationsstelle Antisemitismus Mecklenburg-Vorpommern (DIA.MV) weist NS-Vergleich des Vorstandsvorsitzenden des F.C. Hansa Rostock zurück
  • Schulterschluss mit Narrativen der „Querdenken“-Bewegung trägt nicht zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei
  • Profisport darf gesellschaftliche Vorbildfunktion nicht verspielen

In der Ostsee-Zeitung vom 27.11.2021 zog Robert Marien, Vorstandsvorsitzender des FC Hansa Rostock, einen Vergleich zwischen einschränkenden respektive vorbeugenden Maßnahmen hinsichtlich des Publikumsverkehrs bei künftigen Heimspielen des FC Hansa Rostock und der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Wörtlich gab Robert Marien zu Protokoll: „Wenn eine Markierung auf dem Ticket steht, ein T für getestet, ein G für geimpft, dann sind wir auch nicht weit davon entfernt, ketzerisch gesagt, dass wir bald irgendwelche Armbinden tragen, wo drauf steht, welchen Status wir haben.“

Aus Sicht der Dokumentations- und Informationsstelle Antisemitismus sind solche Vergleiche inakzeptabel und können nicht unwidersprochen stehen gelassen werden.
Ein Sprecher von DIA.MV erklärt hierzu: „Mit einem solchen Vergleich hat Robert Marien nicht nur einfach ordentlich daneben gegriffen, sondern den antisemitischen Terror der NS-Zeit implizit verharmlost. Besonders denkwürdig erscheint uns, dass es sich bei Mariens Aussage keineswegs nur um eine unbedachte Einlassung handelt, sondern dieser sich der historischen Bedeutung seines Vergleichs offenbar bewusst war. Andernfalls hätte er nicht vorausgeschickt, dass er sich mal ‘ketzerisch’ äußern wolle. Einschränkungen im Rahmen der Pandemiebekämpfung in die Nähe der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik zu rücken, ist inakzeptabel und sollte nicht der Preis für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sein, um den sich Robert Marien vorgeblich sorgt.“

DIA.MV beobachtet eine besorgniserregende Normalisierung derartiger Vergleiche, in deren Windschatten unverkennbar antisemitische Ressentiments mobilisiert werden. Nach Auffassung der Dokumentations- und Informationsstelle ist der Vorstandsvorsitzende des FC Hansa Rostock eine Erklärung schuldig, ob er unter der Maßgabe des zu bewahrenden Zusammenhalts von Fans und Mitgliedern des Vereins bereit ist, einen Schulterschluss mit Narrativen der verschwörungsideologischen und antisemitischen „Querdenken“-Bewegung zu üben und somit die integrative Kraft, die vom bedeutendsten Sportverein des Bundeslandes ausgehen kann, auf’s Spiel zu setzen. „Dass Hansa zunächst als Vorbild eines sorgsamen Umgangs in Bezug auf die Wiederzulassung von Zuschauer:innen galt, nun aber in Person des Vorstandsvorsitzenden solche problematischen Signale sendet, ist sehr bedauernswert. Eine gesellschaftliche Vorbildfunktion des Profisports sieht unserer Auffassung nach anders aus“, so der Sprecher von DIA.MV weiter.